Roland Eberts Exponate bereichern Sonderschau im Delitzscher Schloss

Roland Ebert

Delitzsch/Podelwitz

Die aktuelle Sonderausstellung „Blechspielzeug – bunte Miniaturwelt aus Metall“ im Museum Barockschloss Delitzsch enthält viele Exponate, die von Privatpersonen stammen. Zu einigen haben die Leihgeber interessante Geschichten zu erzählen, andere sind einfach besondere Ausstellungsstücke. Die LVZ stellt ein paar davon in loser Folge vor.

 

Von Roland Ebert aus Podelwitz sind im Schloss gleich mehrere Blechspielzeuge zu bewundern. Unter anderem eine Dampfmaschine mit Arbeitsmodellen aus den 1920er- bis 1930er-Jahren, ein Gabelstabler mit Palette und Figur, eine Planierraupe aus dem VEB Mechanische Spielwaren Brandenburg und ein Moskwitsch-Tretauto, das sein früherer Besitzer vom Trassenbau in der ehemaligen Sowjetunion mit in die DDR gebracht hat. Alle diese Ausstellungstücke stammen aus Eberts privater Sammlung, die er im „Museum zum Roland“, für das er eine Scheune ausgebaut hat, Interessenten zeigt. Als er vom Delitzscher Museum angesprochen wurde, war es für ihn eine Herzenssache, die Sonderausstellung mit zu bestücken.

 
 

Job beflügelt das Hobby

Schon als Jugendlicher habe er Spielsachen, Briefmarken und anderes gesammelt, erzählt Roland Ebert. „Meine berufliche Tätigkeit in einer Entsorgungsfirma hat aber meine Sammelleidenschaft noch bestärkt.“ Mit dem eigenen Museum erfüllte er sich dann einen Lebenstraum. „Und mit den Räumen wuchs die Sammlung, weil Leute immer wieder Dinge zu mir bringen“, berichtet der 65-Jährige. Die im Schloss ausgestellte Dampfmaschine sei ein Sahnestück seiner Sammlung. „Als mein Sohn fünf Jahre alt war, habe ich sie zu Weihnachten zum Laufen gebracht.“ Noch zu DDR-Zeiten hat er die Maschine, die in der Ecke einer Garage stand, einem Kollegen abgeluchst – „als Dankeschön, dass ich seinen Trabi wieder in Gang gesetzt habe“. Viel Überredungskunst seinerseits habe es bedurft, um vor rund zehn Jahren an das Moskwitsch-Tretauto zu gelangen. In Thüringen war Ebert auf das Auto aufmerksam geworden. Der Besitzer hatte noch vor der Wiedervereinigung zwei solcher Fahrzeuge für seine Zwillinge von der Trasse mitgebracht. „Letztlich habe ich ihn mit meinem sächsischen Charme überzeugt, mir eins für einen relativ kleinen Betrag zu überlassen“, so der Sammler.

100 Exponate aus Blech

In seinem Museum in der Hinteren Dorfstraße in Podelwitz, das für Interessenten auf Anfrage geöffnet wird, ist die Spielzeugecke neben der Trabi-Sammlung sein besonderer Stolz. Zirka 100 Spielzeuge davon seien aus Blech. Neben Dampfmaschinen, Autos, Baumaschinen oder Militärfahrzeugen sind dort auch laufende Tiere aus Blech zu finden. „Mein Museum ist heute eine Begegnungsstätte, denn es gibt viele Leute in meinem Alter, die noch mit solchen alten Dingen leben. Mancher sucht bei mir auch ein Ersatzteil“, schildert der Podelwitzer.

 

Von Thomas Steingen Quelle: lvz.de vom 13.02.2017

No! – US-Absage für DDR-Antrag

Die DDR-Sammlung des Podelwitzers Roland Ebert bleibt in der Heimat. Mit Freude hatten die Amerikaner das Ost-Paket mit Schallplatten und Kittelschürze in Empfang genommen. Für die gesamte Sammlung ist in Culver City aber kein Platz.

Culver City

Roland Ebert hatte seinen DDR-Köder im großen Teich weit ausgeworfen und den dicken Barsch auch schon fast an der Angel. Aber eben nur fast. Dem reicht vorerst der Happen, den er ohne den Haken zu schnappen bekam. So schaut „Sammel-Fritze“ Ebert vorerst in die Röhre.

Der dicke Barsch hört auf den Namen Joes Segal und ist Leiter des „Wende Museum“ in Los Angeles. Ihm hatte der 63-jährige vor ein paar Monaten ein dickes Ost-Paket geschnürt, quasi als Köder, für die in Podelwitz gehorteten Realsozialismus-Alltags-Devotionalien. „Wir haben im Moment nicht vor, die Sammlung von Roland Ebert zu kaufen. Einerseits, weil wir keinen Platz dafür haben, und andererseits, weil wir nur strategisch sammeln“, erklärt Segal in feinstem Deutsch. „Das heißt mit Fokus auf einzigartige Materialien, die im Begriff sind zu verschwinden oder die direkt für ein Forschungs- oder Kunst-Projekt genutzt werden können.“

Der Museums-Kurator

Der 53-Jährige Museums-Kurator weiß wovon er spricht, schließlich ist der gebürtige Niederländer ein anerkannter Experte auf den Wissenschafts-Themenfeldern Kalter Krieg, Deutsche Wiedervereinigung und sozialistische Alltagskultur. 1992 war Segal eineinhalb Jahre Gaststudent an der Freien Universität in Berlin. Gewohnt hat er damals im Stadtteil Prenzlauer Berg. Vor 1989 war der Amsterdamer einmal in der Zone. Seine Eindrücke hat er in seiner Doktorschrift verarbeitet.

Die von Ebert nach Kalifornien gesendeten Gegenstände wandern mitsamt Verbriefung, von wem diese sind, in das Archiv des Museums. Das umfasst vier Lagerhallen und über 100 000 Stücke. Derzeit werden in Culver City gemalte und fotografierte Portraits aus SowjetunionUngarn und der DDR ausgestellt. Mittels unterschiedlicher Projekte sollen den US-Bürgern Einblicke in den Lebensstil im Ostblock gewährt werden. Und vor allem ein Verständnis dafür.

 

Roland Ebert hat seit der Wende das gesammelt, wovon sich andere trennten. Mittlerweile füllen diese Gegenstände eine ganz Scheune. Dort hat der gelernte Kfz-Meister tausende Dinge vom Spielzeug bis zum Trabi-Prototyp in unterschiedliche Themenwelten geordnet. Im März hatte der Pensionär auf eigene Faust ein Ost-Paket mitsamt Brigadetagebuch, Schallplatten und Kittelschürzen geschnürt und es über den großen Teich schippern lassen. In der Hoffnung, sich seinen Traum erfüllen zu können, seine komplette Sammlung einmal in den USA auszustellen.  

Von Alexander Bley, Quelle: lvz.de vom 28.07.2015

Podelwitz - Wenn die Republik Geburtstag hat

von: JOHANNES PROFT veröffentlicht am 07.10.2011 – 09:11 Uhr BildZeitung

Podelwitz – Wenn die Republik Geburtstag hatte, wurde alles aufgefahren: In Berlin paradierte die NVA, die greise Parteiführung ließ sich bejubeln und der Rest des Landes hatte wenigstens frei.

Nun, über zwei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR, hat selbst Sachsens größter Ostalgie-Sammler keine Lust mehr auf das ewige Gestern…

„Ich verkaufe die ganze DDR“, sagt Roland Ebert (59). Über 20 Jahre lang hat er alles gesammelt, was der Osten produzierte.

Etwa 30 000 Exponate stehen derzeit in seinem Podelwitzer Privatmuseum. „Jetzt ist Schluss! Wenn jemand 250 000 Euro auf den Tisch legt, kann er alles mitnehmen“, rechnet der Unternehmer vor.

Was teuer klingt, wird angesichts Eberts unglaublicher Sammlung fast schon zum Schnäppchen: In der umgebauten 400-Quadratmeter-Scheune finden sich nämlich tatsächlich Objekte von echtem Seltenheitswert: Neben Orden, Uniformen und Alltagsgegenständen stehen immerhin knapp 40 DDR-Fahrzeuge in seiner Schau. „Darunter sind zwölf Trabi-Raritäten im Top-Zustand sowie alle Zweiräder, die man hinter der Mauer zusammengeschraubt hat“, erklärt Ebert bei einem letzten Rundgang.

Bis heute ist sein Museum ein Wallfahrtsort für Leute, die auf der Suche nach der eigenen Jugend sind.

Aber auch Ewiggestrige machen halt: Zuletzt kam sogar eine Gruppe ehemaliger NVA-Offiziere. Die Ex-Militärs wollten wohl noch einmal Befehlshaber spielen…

Auch deshalb will Ebert die Räume künftig anders nutzen. „Ich habe die DDR nie geliebt, es war nur Teil meiner Geschichte, der sich mit meiner Sammelleidenschaft ergänzte“.

Wenn sich ein Käufer findet, will der geheilte Ostalgiker auf einem neuen Sammelgebiet durchstarten.

Der gelernte Kfz-Mechaniker wird wohl nicht ohne Autos auskommen. Die müssen ja nicht immer nur aus Pappe sein…

Andrang in der DDR

Podelwitzer Nostalgiekiste

Am Osterwochenende hatte sie wieder geöffnet, die große Podelwitzer Nostalgiekiste: (Sonn-)Tag der offenen Tür im DDR-Museum. Die Gäste ließen nicht auf sich warten, kamen sogar aus benachbarten Bundesländern zum Stelldichein zwischen ABV-Uniform, Simson-Moped und Omas altem Handstaubsauger.

Podelwitz mittendrin

Und mittendrin ein immer noch überwältigter Eigentümer Roland Ebert, der – wie er sagt – bei 25 000 Exponaten aufgehört hat zu zählen. „Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Leute mich besuchen“, sagt Ebert. Eine halbe Stunde nach Öffnung ist in dem zweistöckigen Ausstellungsgebäude kaum noch ein Durchkommen. In allen Ecken erzählen sich Gäste Geschichten, plaudern über Erinnerungen, die die betagten Stücke in den Schränken, Regalen und Vitrinen wachrufen. „Das Radio hier, das hatte ich früher selbst“, sagt ein Besucher, „und die Lampen, die hingen bei mir auf Arbeit.“ 

Ansturm

Obwohl Roland Ebert über den Ansturm staunt – mental verstehen kann er seine Gäste gut. Der 58-Jährige ist trotz der Fülle an Exponaten kein Verwalter, sondern fühlt sich „der Nostalgie verbunden“, wie er selbst berichtet. „Was ich hier zeige, ist nunmal Teil meines Lebens. Ich kenne jedes Stück, auch ohne Register. Natürlich muss ich akzeptieren, wenn manchmal Leute kommen, die sagen: Diesen Mist wollen wir nicht mehr. Aber für mich ist das ein Stück eigene Geschichte.“Gleich nach der Wende schon begann Roland Ebert, DDR-Relikte zu sammeln. Mit einem Trabi fing es an, dann kam noch einer und noch einer. Inzwischen hat er 18 und ein chronisches Platzproblem. Als mehrere Garagen als Lagerraum nicht mehr reichten, kaufte der Zschortauer das 350-Quadratmeter-Gebäude in Podelwitz, baute es mit der Familie aus.Und mit der Größe der Räume wuchs der Bekanntheitsgrad. Zigmal schon schauten Fernseh- und Zeitungsjournalisten bei ihm herein, machten seine Ausstellung überregional publik. „Vor Kurzem bekam ich sogar einen Anruf vom Bodensee“, erzählt Roland Ebert. „Ein ehemaliger Professor aus Freiberg hatte mich im Fernsehen mit einem ferngesteuerten Spielzeug-Wartburg von 1962 gesehen. Er sagte, er habe das gleiche Modell in Rot, sogar noch ein bisschen älter. Das wolle er mir schenken.“Inzwischen steht das gute Stück in Eberts Vitrine als eine der neuesten Errungenschaften. Noch recht neu in der Sammlung ist auch ein Trabant mit Wohnmobil-Aufbau. Eine Eigenkonstruktion, die der gelernte Autoschlosser vergangenes Jahr einem Bastler abkaufte. „Damit machen meine Frau und ich jetzt regelmäßig Ausflüge.“Der Wohn-Trabi wird am Ostersonntag von den Besuchern belagert. Fotoapparate klicken, mancher beugt und reckt sich. Gleich daneben dasMoped-Depot. Familienvater Peter Schwenke schwelgt in Erinnerungen. „Die SR 2 von Simson war die erste, mit der ich herumgefahren bin. Dann kam die S 50.“ Ehefrau Sandra inspiziert derweil einen Kassettenrekorder, für den sie einst ihr Jugendweihegeld opferte. Sie war es auch, die die Idee für den Besuch im DDR-Museum hatte. „Die Kinder fragen mich immer, wie es war in der DDR. Jetzt haben sie mal eine Vorstellung.“ Luca (8) und Victoria (12) sind sich allerdings einig, dass viele der Exponate „ziemlich seltsam“ aussehen.Immerhin: Rund 50 Prozent des Gezeigten hat Roland Ebert eigenhändig zusammengetragen – „nur 30 Prozent habe ich von anderen erworben und den Rest geschenkt bekommen“, erklärt er. Theoretisch könnte er noch viel mehr Geschenke einsammeln. Fasttäglich erhalte er Angebote aus der näheren und weiteren Umgebung, meist per Telefon. „Aber ich habe keinen Platz mehr.“ Und eine seiner kostbaren Erinnerungen auszusondern, das kommt für Roland Ebert schon gar nicht in Frage.

Quelle: Beitrag Kay Wuerker, lvz.de vom 06.04.2010

Ein Schnäppchenjäger im DDR-Rausch

In Podelwitz bei Leipzig ist die DDR auferstanden. Aus einer Ruine machte Abbruchunternehmer Roland Ebert (52) ein riesiges Traditionskabinett. Mit (n)ostalgischem Blick sammelt der „Rasende Roland“ Alltagsgegenstände. Der MDR begleitete ihn dabei.

Reportage

Zu sehen ist die Reportage Die Schnäppchenjäger im DDR-Rausch am kommenden Samstag um 18 Uhr.
Bei ihm gibt es keine Absperrlinien, steht nichts hinter Glas. Er will die DDR zum Anfassen, Fühlen, Schnuppern. Und tatsächlich strömen sowohl aus den Rotplombe-Puddingpulvertüten als auch aus den Lilienmilchseife-Verpackungen Düfte von damals. Darauf legt der Sammler Wert: Von Hüllen halte ich nichts. Was draufsteht, muss auch noch drin sein, ist seine Philosophie. Die gilt für Schnapsflaschen und Zigaretten ebenso, wie für Würfelzucker und Pflaumenmus. Erstaunt ist Roland Ebert immer wieder, dass er auch im Jahre 14 nach der Einheit noch verschlossene, original verpackte Konsumgüter Made in GDR findet.
Kürzlich erblickte ich in einem Container ein Päckchen Rondo-Kaffee. Mir standen die Tränen in den Augen, gibt er freimütig zu. Nicht über den horrenden Preis, sondern über die Unversehrtheit des Kaffees. Die neueste Errungenschaft sortierte er gleich in sein Podelwitzer Traditionskabinett ein. Der Kaffe kam in die Konsumgüterecke. Denn der Nostalgiker hat die ehemalige Scheune in verschiedene Traditionsecken unterteilt.
Da gibt es die Oma-Ecke mit Plaste-Zimmerspringbrunnen, Stehlampe und Fernsehtruhe. In der Campingecke hängt die berühmte Dreiecksbadehose. In der Kino-Ecke kann man sich beispielsweise den 16mm-Film Verkehrskompass Nr. 70072 von 1974 über Besonderheiten im winterlichen Straßenverkehr anschauen. 16-Millimeter-Filme brauche ich noch. Die bekommt man selten, bemerkt der Schnäppchensammler. Ansonsten ist seine über 350 Quadratmeter große DDR gut aufgestellt. Tausende Erinnerungsstücke stehen Seit an Seit. Die alte Lieder (er-)klingen vom Plattenteller. Und mittendrin wirbelt Roland, der Ruhelose. Natürlich nach Feierabend. Hier kann ich nach einem langen Arbeitstag Stress abbauen, mich erholen. Er möchte die DDR auf keinen Fall zurück. Doch man darf auch nicht auslöschen, womit man 40 Jahre lang gelebt hat, ist seine Einstellung.

Ein alter Trabi

Ein alter Trabi, Baujahr 53, war Ausgangspunkt der Sammlung zum Wohle des Volkes. Der gelernte Automechaniker baute ihn zusammen mit seinem Sohn (der übrigens den wenig DDR-typischen Vornamen Ken trägt) originalgetreu auf. Die Verwandtschaft sah das, staunte und schenkte einen Trabi mit dem legendären Zelt auf dem Dach. Und auf einmal hatten Vater und Sohn eine Schwalbe, eine Zapfsäule, eine Personenwaage…
Innerhalb kürzester Zeit füllten sich die Garagen. Unsere Privatautos mussten draußen stehen bleiben, denkt Roland Ebert lachend zurück. Ihn ergriff das Sammelfieber. Als erfolgreicher Abbruch- und Entsorgungsunternehmer mit 30 Angestellten sitzt er an der Quelle. Er ist sich nicht zu fein, selbst im Dreck nach Schnäppchen zu wühlen und sie zu säubern. Weil die Sammlung ausuferte, kaufte er die Scheune eines Dreiseitenhofes in Podelwitz und baute sie als lebendiges Museum um. Wir feierten hier schon den 45. Jahrestag der DDR oder den Tag des Bauarbeiters, erzählt er stolz. Einmal im Vierteljahr teilt er seine Begeisterung für DDR-Devotionalien mit Besuchern beim Tag der offenen Tür.

Quelle: LR Online vom 14. Oktober 2004, 01:06 Uhr

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